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| KÜNSTLERMUSEUM HEIKENDORF - KIELER FÖRDE |
Sa 12.12.2009 - So 21.02.2010 [Kunst, Museum] |
Ausstellung: Ursula M.L. Baldrich Foto - Im Wandel der Zeit Objekte und Bilder - Werkrückblick auf 20 Jahre
Diese Ausstellung ist dem Künstlermuseum Heikendorf-Kieler Förde eine besondere Freude, denn die 1939 in Bielefeld geborene Künstlerin Ursula Baldrich engagiert sich seit über 15 Jahren intensiv für das Museum. Zunächst als Künstlerische Leiterin setzt sie nach einem Strukturwandel innerhalb des Hauses seit 2003 einen großen Teil ihrer Energie als Referentin für Neue Medien und Öffentlichkeitsarbeit fürs Künstlermuseum ein. Ein anderer Teil ihrer Persönlichkeit leuchtet durch diese Ausstellung auf, in der ihre freischaffenden Arbeiten und Projekte seit den späten 1980er Jahren vorgestellt werden.
Über einen langen Zeitraum hat sich die gelernte Fotografin mit dem plastischen Gestalten in Keramik und Porzellan beschäftigt, bevor sie in ihren raumgreifenden Installationen auch wieder fototechnische Verfahren einsetzte. Um 2000 entdeckte Ursula Baldrich das Fotogramm, also eine Form der fotografischen Bildherstellung ohne Kamera, bei der Gegenstände direkt auf lichtempfindliches Fotopapier gelegt und belichtet werden, als Gestaltungsgrundlage neu für sich. Sie prägen zusammen mit den vielfältig digital bearbeiteten Fotografien die gegenwärtigen Arbeiten der Künstlerin.
Für das bewegte, großformatige Fischzug-Triptychon von 1999 fertigte Ursula Baldrich insgesamt 72 verschiedene Fotogramme an, die sie in einem spielerischen Prozess ordnete. Angeregt von den Abfällen, die beim Krabben pulen anfallen, begann sie mit den Hüllen und Schwänzen zu experimentieren. Abgesehen von Herings- oder auch Lachsschwärmen, in denen der einzelne Fisch sich einem übergeordneten Treiben unterwirft, kommen mir Gedanken in den Kopf, die sich um Schutz und Schutzbedürftigkeit, Empfindlichkeit und Verletzbarkeit, aber auch Härte und Architektur oder Leben und Sterben lassen drehen. Das solche Assoziationsketten von Ursula Baldrich gewünscht sind, verdeutlicht ihr Triptychon Materia Prima aus dem Jahre 2001, für das sie 54 Fotogramme - teilweise geschliffen – zusammenfügte.
Sie selbst gibt zu bedenken: „Das Meer als ungeformte, undifferenzierte Masse symbolisiert den Uranfang allen Seins. Die Krabbe als im Wasser lebendes Tier, steht häufig im Zusammenhang mit der Symbolik des Urmeeres.“ In diese Werkgruppe gehört auch die Geburt der kleinen Seekuh, 2001, die aus 12 erröteten Fotogrammen besteht. Diese witzige Fotoarbeit verweist durch die Kupfertönung auf die vielfältigen Eingriffsmöglichkeiten der Künstlerin in der Dunkelkammer, in der sie sich zuhause fühlt.
Ursula Baldrich, die seit 1989 Mitglied der GEDOK Hamburg ist, hat sich in den letzten Jahren mehrfach mit digital bearbeiteten Fotos an Ausstellungen der GEDOK beteiligt. Für das Deutsch-Chinesische Kulturaustauschprojekt NUSHU - Geheime Botschaften 2006 schuf sie beispielsweise harmonisch und ornamental gestaltete Fotogramme, die durch Farb- und Formveränderungen und Spiegelungen am Computer einen meditativen Mandala-Charakter erhielten. Da NUSHU eine eigene Schrift nur unter Frauen war, die vor etwa 500 Jahren in der Provinz Hunan im Südwesten Chinas entwickelt wurde, um Erfahrungen und Gefühle als geheime Botschaften ihren Familien und Freundinnen zu übermitteln, verwundert es nicht, dass Ursula Baldrich in ihren eigenen Werken ebenfalls mit Schriftzügen experimentiert hat wie der blau-violette Alphamann zeigt.
Für das Ausstellungsprojekt der GEDOK Liebe-Leben-Landschaft 2008 fotografierte Ursula Baldrich Landschaften ihrer näheren Umgebung. Sie erreichte durch die spiegelbildliche Begegnung Bildaussagen, die zwischen Traum und Wirklichkeit hin und her springen. Die eindringlichen, auf Aluminium aufgezogenen Aufnahmen Kathedrale I-VI veranschaulichen für mich nicht weniger als die Göttlichkeit in der Natur.
Die Natur und ihre Behandlung durch den Menschen erhielt für Ursula Baldrich seit Mitte der 1990er eine immer stärkere Bedeutung. Mit raumgreifenden Installationen wie Botschaft der Erde 1995 verweist sie auf die Schönheit, Sensibilität aber auch die Schutzbedürftigkeit unseres blauen Planeten. Durch Selbstreflexion rückt das plastische Gestalten mit Keramik immer weiter in den Hintergrund und fotografische Ausdrucksweisen halten auf langen Transparentbahnen Einzug. Diese Zäsur entwickelte sich langsam, da Ursula Baldrich, die gerne Bildhauerin geworden wäre, die Fotografie lange mehr als Handwerk denn als künstlerisches Medium betrachtete.
Mit der abwechselungsreichen Werkgruppe der Bogen- und Ziegelformen, zu der die Plastiken Zuneigung (Biskuitporzellan, 1987) und Kleine Bogenform (Ton, 1992) gehören, veranschaulicht die Ausstellung Ursula Baldrichs Vorgehensweise im plastischen Gestalten, das sie gegenwärtig völlig aufgeben hat. Sie arbeitete in der Keramik in einer sehr reduzierten Formensprache, die trotz ihrer Strenge nicht unbewegt erscheint, sondern geradezu dynamisch wie das Leben den Blick auf das Wesentliche lenkt.
Durch Studienaufenthalte in Ungarn (1988 u. 1992) und der Schweiz (1993) erweiterte Ursula Baldrich ihre Kenntnisse über das Material Porzellan. Gleichzeitig baute sie sich internationale Kontakte auf, denn der Blick über den eigenen Tellerrand ist für die Künstlerin bis heute eine wichtige Antriebsfeder.
| | | | | Veranstaltungsstätte: | Künstlermuseum Heikendorf - Kieler Förde (Ausstellungshalle und Blunckhaus) | | Ort: | Heikendorf | | Straße: | Teichtor 9 | | Link: | www.museen-sh.de/... | E-Mail: | kuenstlermuseum@t-online.de | | Telefon: | 0431/248093 | | Öffnungszeit: | di-sa 14-17, so 11-17; Führungen nach Vereinbarung |
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